Europäisches Institut Für Ayurveda Medizin
Ayurveda Kochkurs Ayurveda als Integrativ Medizin

Schlaflosigkeit / Insomnie aus ayurvedischer Sicht

Schlaflosigkeit wird im Ayurveda anidra genannt. Schlaflosigkeit zeigt sich in häufigem Aufwachen um Mitternacht oder während der Nacht, in nicht erholsamen Schlaf oder einer Kombination aus allem.

Schlaf erfrischt Körper und Geist. Durch ihn wird die Energie, bevor es zu einer totalen Erschöpfung kommt, wieder hergestellt. Die Qualität des Schlafes und die Menge an Schlaf, die eine Einzelperson benötigt, um Körper und Seele wieder vollkommen regenerieren zu lassen, sind entscheidend für Gesundheit, Glück und Langlebigkeit .

Die Definition des Schlafes:

In der Caraka Samhita heißt es zum Zustand des Schlafes:

"Wenn der Geist oder die Psyche müde sind, erschöpfen sich die Bewegungsorgane, alle fünf Sinne ziehen sich zurück, die Person will schlafen." (Caraka Samhita Sutra 21/35)

Ayurveda bezeichnet den Nidra (Schlaf) als eine der grundlegenden Säulen der Gesundheit. Nach den klassischen Texten des Ayurveda (Charakk Samhita - Sutresthan 5) gibt es drei Säulen der Gesundheit: die Ernährung, der Schlaf und eine ausgewogene Sexualität (nach eigener Konstitution). Wenn alle diese drei Säulen richtig funktionieren und in Harmonie arbeiten, bleibt die Gesundheit erhalten. Wenn aber eine von ihnen nicht richtig funktioniert, destabilisiert das die Gesundheit. Es gibt bestimmte Regeln und Vorschriften für alle drei Faktoren.

Die sechs Arten von Schlaf :

  1. Ratriswabhav Prabhava: physiologischer / gesunder Schlaf
  2. Tamobhava: Schlaf durch eine zu hohe Ansammlung der Tamas (Trägheit)
  3. Shlesmsamudbhava: Schlaf durch eine zu hohe Ansammlung vonKapha
  4. Mansa shareera shram Sambhava: Schlaf, der durch eine übermäßig Müdigkeit von Körper undGeist verursacht
  5. Agantuj: zufällig, aufgrund traumatischer Auswirkungen auf das Schlafzentrum des Gehirns auftretend
  6. Vyadhayanurvatini: durch Krankheiten verursachter Schlaf

Von diesen Kategorien ist nur der erste, der sogenannte physiologische Schlaf ein guter Schlaf, der eine erschöpfte Person wieder vollkommen regeneriert, der Rest bezeichnet pathologische Arten des Schlafes, die behandlungsbedürftig sind und eine Behandlung gemäß ihrer spezifischen Ursachen benötigen.

Gesunder Schlaf und seine Wirkung:

Laut Ayurveda kann der Zustand des vollkommenen Schlafes, in Bezug auf die höchste Qualität, erreicht werden, wenn ein müder Geist völlig von den Sinnen getrennt ist.

Die Wirkung von einem guten Schlaf:

Ein guter Schlaf trägt zu Freude, Kraft, Potenz und Weisheit bei, er führt zu einer ausgewogenen Wiederherstellung der Physiologie und Psychologie.

Während Schlaflosigkeit oder weniger Schlaf dagegen ist die Ursache für eine verminderte Leistung der Physiologie und Psychologie, die sich z.B. in Angst, Stress und Impotenz zeigt und zu einem miserablen Leben führt.(Caraka samhita Sutra 21/36)

Der individuelle Schlafbedarf:

Die Menge an Schlaf, um gesund zu bleiben, hängt völlig von der eigenen einmaligen Konstitution (prakruti- dem genetischen Profil) ab. Jeder Mensch hat die eigene Konstitution genauso wie einen eigenen Fingerabdruck. Sie setzt sich aus den drei grundlegenden Bioenergien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha zusammen. Jeder Mensch hat von Geburt an etwas von allen drei Doshas. Durch ihre unterschiedlichen Anteile wird die individuelle Konstitution (Persönlichkeit) bestimmt und sie steuert die gesamten Aktivitäten des Geistes und des Körpers.

Obwohl jeder alle drei in sich vereint, sind in den meisten Menschen ein oder zwei Bioenergien/ doshas stärker vertreten, was sich in der besonderen Prägung ihrer Persönlichkeit zeigt.

Das Schlafbedürfnis nach dem jeweils vorherrschenden Dosha:

  • Vata: sechs bis sieben Stunden
  • Pitta: sieben bis acht Stunden
  • Kapha: etwa acht oder neun Stunden

Wichtig ist auch, in welcher Lebensphase man sich gerade befindet bzw. wie alt man ist.

 

 Schlaflosigkeit

Personen ohne ausreichenden Schlaf können u. a. an Müdigkeit, Reizbarkeit, einem Mangel an Energie, Konzentrationsproblemen sowie Gedächtnisverlust leiden. Schlaflosigkeit kann emotionale Störungen wie Depressionen, Angstzustände, Belastungsstörungen sowie neurologische Erkrankungen, Arthritis, Asthma, Magen-Darm-Erkrankungen, Wechseljahresbeschwerden und das Restless-Legs-Syndrom verursachen.

Faktoren, die den Schlaf beeinträchtigen können, sind z.B. das Trinken koffeinhaltiger Getränke, Rauchen, Umweltbelastungen, mangelnde körperliche Aktivitäten, unregelmäßiger Schlaf, falsche Ernährungsmuster, psychischer Stress, Angst, Verdauungsstörungen, Blähungen u. a.

Lang anhaltende Schlafstörungen können zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie Adipositas, Bluthochdruck und verminderter Resistenz gegenüber Infektionen führen.

Die Ursachen von Schlaflosigkeit im Sinne einer Schlafstörung:

Nach Ayurveda gibt es im Körper eine tiefe, allem zugrunde liegende Einheit (Integrität), die Körper, Geist und Seele miteinander verbindet und das gesamte menschliche System nährt, regeneriert und steuert.Wenn etwas diese Einheit stört, können Krankheiten entstehen.

Ernährung, Tagesroutine, Verhaltensmuster und Lebensweise während des Tages eine Vata-, Pitta- oder Kapha- Unausgewogenheit verursachen, kann sich eine entsprechende Schlafstörung entwickeln.

 

Schlafstörungen werden im Ayurveda hauptsächlich der Unausgewogenheit einer oder mehrerer der drei Doshas (Bioenergien) zugeordnet. Von den Bioenergien (Vata, Pitta, Kapha) können entweder alle drei, nur zwei oder eine einzelne Ursache einer Schlafstörung sein:

Ayurveda unterscheidet drei Arten von Schlafstörungen:

Vata-imbalance:

Typ 1: Diese Schlafstörung wird durch ein Vata - Ungleichgewicht oder psychischen Stress verursacht. Menschen, die sich hin und her wälzen und nicht einschlafen können, weil ihr Geist nicht zur Ruhe kommt, haben diese Erkrankung. Sie wird durch Ängste, Sorgen, Hypersensibilität und übermäßige Aktivitäten während des Tages verursacht.

 

Pitta-imbalance:

Typ 2: Diese Schlafstörung wird durch ein Pitta - Ungleichgewicht oder ein emotionales Trauma verursacht und führt zu sporadischem Erwachen. Bei dieser Störung kann man zwar schnell einschlafen, wacht aber häufig mit Herzklopfen, Körperschmerzen und emotionalen Störungen wie Angst, Wut oder Traurigkeit wieder auf. Ein weiteres Muster der Krankheit zeigt sich im Aufwachen vor dem Morgengrauen mit einer "get-up-and-go "-Stimmung und der Schwierigkeit, wieder schlafen zu gehen.

Kapha-imbalance:

Typ 3: Diese Schlafstörung wird durch ein Kapha – Ungleichgewicht verursacht. Man kann dabei am frühen Morgen erwachen oder auch durchschlafen, aber in jedem Fall wird man sich träge, müde und völlig erschöpft fühlen. Die Länge der Nachtruhe spielt in diesem Fall keine Rolle.

 

Weitere Ursachen der Schlaflosigkeit sind:

  • Giftstoffe im Körpergewebe, die das Kreislaufsystem verstopfen
  • schlechte Ernährung
  • schlechte Verdauung
  • Ungleichgewicht des Nervensystems
  • Anhäufung von physischen und psychischen Stress
  • Senkung der natürlichen Resistenz und Immunität
  • Störung des Biorhythmus

Die ganzheitliche Ayurveda Diagnostik und Therapie:

 

 Nach Ayurveda werden Schlafstörungen anhand der individuellen Körper-Konstitution diagnostiziert. Dieser genetisch vererbte Körper-Typ ist von Geburt an in jedem vorhanden und nicht veränderbar. Er ist durch eine jeweils individuelle Kombination der drei grundlegenden Bioenergien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha gekennzeichnet. Erkrankungen bzw. Störungen der Doshas zeigen sich in einer aktuellen Abweichung von dem ursprünglich vorhandenen Gleichgewicht der Doshas und können behandelt werden.Die Diagnostik des Ayurveda ist deshalb auf das Erkennen des ursprünglich vorhandenen Gleichgewichts bzw. auf das Erkennen des aktuellen krankhaften Ungleichgewichts der drei doshas (Bioenergien – Vata, Pitta, Kapha) ausgerichtet. Die Diagnostik identifiziert nicht nur grobe körperliche Abnormitäten bzw. Symptome und dazu passende Medikamente.

Neben dem bereits erwähnten Ausgleich der drei doshas (Bioenergien) ist es das wichtigste Ziel einer ayurvedischen Behandlung der Schlaflosigkeit im Sinne einer ganzheitliche Gesundheit die ojas, die stärkste lebenserhaltende Kraft im Körper, wieder herzustellen. Gesunder Schlaf erhöht ojas. Ojas ist eine Substanz, die aus der subtilsten Ebene der Verdauung heraus entsteht.

 

 

Sie sorgt für Energie, Klarheit des Denkens, eine starke Immunität, Glück und Zufriedenheit. Die ojas ist die grundlegende lebenserhaltende Kraft, die das Wesen der dhatus (sieben Gewebe) des Körpers ausmacht. Auch der Hormonhaushalt wird durch ojas geregelt. Ojas wirkt wie ein Stoßdämpfer und hilft, den Geist vom Alltagsstress zu trennen und das Immunsystem zu stärken.

Was Ayurveda gegen Schlaflosigkeit anbieten kann:

  • Behandlung der Schlaflosigkeit ohne Beruhigungsmittel und deren Nebenwirkungen
  • keine Verwendung suchterzeugender Medikamente
  • keine Behinderung der anderen Organsysteme
  • Verwendung von Mitteln, die keine ungewünschten Nachwirkungen haben
  • keine sporadische sondern langsame und dauerhafte Verbesserung derErkrankung,
  • Genesung des Körpers und des Geistes gleichermaßen

 

Das sind einige der Qualitäten der ayurvedischen Kräuterpräparate, die zur Behandlung der Schlaflosigkeit verabreicht werden können.Ayurvedische Mittel aus Pflanzen und Kräutern können die Einheit (zwischen Körper, Geist und Seele) wieder herstellen, weil sie eine eigene natürliche Integrität besitzen, die auf die menschliche Integrität ausgleichend wirken kann.

Die ayurveda rasayana (Nährstoffe dieser Kräuter) sind in der Lage, die srotas (Mikro-Kreislauf-Kanäle) zu säubern, durch die unser Körper u. a. Nährstoffe, Hormone oder Immunzellen transportiert. Sobald die srotas gereinigt sind, werden sie mit der ojas gesättigt. Das Ergebnis ist ein erholsamer Schlaf.

Im Rahmen der Anamnese kann der behandelnde Ayurveda Arzt folgende Behandlungsmöglichkeiten individuell für eine Person vorschlagen:

 

 

 

 

  • Panchakarma (Reinigungsverfahren)
  • externe manuelle Therapien
  • interne Medikamente (Kräuterkombinationen, die die ojas stärken)
  • Anleitung zu gesundheitsfördernden Aktivitäten
  • Yoga, Meditation, Atemarbeit) und Ernährungsberatung
  • Veränderungen des Life style (Lebensführung) bzw. der täglichen Routine angepasst an die
  • individuelle Konstitution.